Die Welt braucht keine philosophischen Blogs. Aber auch die Philosophen selbst brauchen sie nicht. Warum sollte man am Computer seine Zeit verschwenden, wenn allein für das Studium eines einzigen großen Denkers das Leben nicht reicht? Die Bibliotheken quellen über mit faszinierenden Büchern, sodaß ich mir keinen ernsthaften Liebhaber der Weisheit vorstellen kann, der für das Lesen und Kommentieren in Internet-Foren und Blogs Zeit und Mühe aufzuwenden bereit wäre.
Spannend werden philosophische Blogs ohnehin erst dann, wenn sie über ermüdendes Lehrbuchwissen hinausgehen und so etwas wie spielerischen Geist verraten. Vielleicht ist Logeion von Christian J. Grothaus aus Berlin ein solches Unternehmen. Der gelernte Architekt versucht in seinem »Integrationswerk« eine Art Synthese zwischen abendländischem Denken und Architektur herzustellen, was als Programm formuliert primär nicht das ist, was sein Blog vor anderen Philosophie-Seiten auszeichnet. Vielmehr gefällt seine denkerische Beweglichkeit zwischen Schelling, Nietzsche, Heidegger, Architektur und Musik, die im Internet, zumal im deutschen Internet, eine Seltenheit darstellt.
»Logeion« (λογεῖον) ist das altgriechische Wort für den Redeplatz im athenischen Theater. Vielleicht ist von diesem Wort her die Frage nach dem Verhältnis von Philosophie und Öffentlichkeit zu beantworten: Der Philosoph, sobald er etwas von seinen Gedanken publik macht, verwandelt sich in einen Schauspieler, einen ὑποκριτής – eine seltsame Verwandlung, deren Tragweite bisher nicht genügend ermessen wurde. Von Christian Grothaus wünsche ich mir jedenfalls einen Artikel, der mehr darüber sagt und vielleicht auch den befremdlichen Untertitel seiner Seite, »Gedankenlabor«, verständlich macht.
Verweise: Logeion
Antworten: Das Selbstgespräch als Normalzustand oder: Vom digitalen Nihilismus
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