Der strukturell auferlegte Zwang einer ständigen Explizierung und Messung erfolgreich hergestellter Gleichheit erweist sich als untergründige Mechanik von Aggressionssteigerung und Bösartigkeit.
Rainer Paris verbindet in seinem Essay Gleichheit [http://www.online-merkur.de/seiten/lp200908a.php] das Phänomen der Gleichstellungsbestrebungen der Frau mit dem Problem der Vermischung von expliziter und impliziter Gleichheit. Der Begriff ›explizit‹ meint in diesem Zusammenhang aufrechenbare Verhältnisse wie z. B. »gleiches Recht, gleicher Lohn, gleicher Abwasch«. Implizite Gleichheit hingegen herrscht zwischen Personen, deren wechselseitige Bezogenheit aufeinander gerade die explizite Thematisierung von Gleichheit als solcher ausschließt, weil durch eine solche zugleich die Bindung selbst ins Wanken geriete. Gerade die Liebesbeziehung baut auf die implizite Gleichheit, da diese die freie Entscheidung der Partner füreinander und damit stillschweigend das Wohlwollen des jeweils anderen voraussetzt. Was passiert nun im Zuge des landläufigen Feminismus, d. h. des Kampfes um die Gleichstellung der Frau?
Abwasch und Computerviren
Alles, was als aufrechenbarer Grund der Diskriminierung der Frau wahrgenommen werden kann, steht gleichsam unter dem Stern des Feminismus. Ob wirkliche Ungleichheit zwischen den Partnern herrscht, liegt allerdings in der Hand des Klagenden, da er die Maßstäbe ins Feld führt. So benutzen wir nicht selten, ich meine: uns Frauen, unser Geschlecht, um uns z. B. vor dem Abwasch zu drücken und fühlen uns auch dann noch im Recht, wenn wir die Männer für uns anstellen, um uns vor Viren und anderem Cyperschrott zu befreien; als wäre der Natur der Frau die Technikferne in die Wiege gelegt, kokettieren wir mittels kleiner, umso wirkungsvollerer Gesten, um unserer Hilflosigkeit Ausdruck zu verleihen. Wir sind zwar nicht gern das Frauchen am Herd, aber zu viel Mann wollen wir auch nicht sein. So wie uns der Sinn steht, oder ist uns das am Ende vielleicht auch nicht recht?
Tribut der Gleichheit
Als »argloses Opfer von Willkür und Benachteiligung« kann man so einiges erreichen, doch eines bleibt verwehrt: die Liebe selbst. Mehr und mehr rückt das Ringen um Gleichheit in den Vordergrund und das selbstlose Füreinander in Vergessenheit. Und so zollen die einst Verliebten dem allgegenwärtigen Gleichheitsdiskurs seinen Tribut und landen in der Beziehungshölle von April und Frank Wheeler [http://phainomena.de/2009/03/16/roastbeefsaft-und-traenen]:
Er verwandelt Liebende in Rechner und Aufrechner, die ihre Zuneigung an das Entgegenkommen und Wohlverhalten des anderen binden und sich gleichzeitig darüber wundern, warum sie, selbst wenn sie mit ihren Vorstößen Erfolg haben, irgendwie immer unzufriedener werden.
Verweise: Rainer Paris: Gleichheit, Merkur 723 (2009) [http://www.online-merkur.de/seiten/lp200908a.php]
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