
Vom 15. bis 17. April finden die zweiten Tübinger Platontage im Forum Scientiarum in der Doblerstraße (natürlich in Tübingen) statt. Die ersten Platontage vor zwei Jahren sind, ungewöhnlich für eine wissenschaftliche Konferenz, ein großer Publikumserfolg gewesen: Die zur Verfügung stehenden Publikumsplätze, die in großer Zahl von hellwachen und diskussionsfreudigen Studenten besetzt wurden, reichten bei manchen Vorträgen kaum aus, während der Tagungsalltag in Deutschland meist doch ein wenig grauer aussieht. Der Tagungsband zum Thema Platon und das Göttliche erscheint jedenfalls in Kürze bei Attempto Tübingen.
Auch die Neuauflage in diesem Jahr, die unter dem Motto Platon und die Mousiké steht, dürfte auf entsprechende Resonanz stoßen. Die angekündigten Referenten versprechen, soweit ich sie kenne, engagierte und fachlich hochqualifizierte Vorträge, die wegen der Sache und nicht nur für einen weiteren Spiegelstrich in der Publikationsliste gehalten werden. Außerdem ist erfreulich, daß auch vier noch unpromovierte Nachwuchsforscher das Wort erhalten (ich selbst bin auch dabei), ohne in eine unscheinbare Nebensektion abgeschoben zu werden. Hier also die Referentenliste:
Prof. Dr. Günter Figal (Freiburg)
Rhythmus als Ordnung der Bewegtheit
Robert Füsgen (Reutlingen)
Platon und die Mathematik seiner Zeit
Dr. Marion Hiller (Vechta)
Kulturgeschichte der Mousiké
Dietmar Koch (Tübingen)
Philosophie als höchste Musenkunst und die Phoné des Logos in Platons Werk
Prof. Dr. Irmgard Männlein-Robert (Tübingen)
Die Musenkunst des Philosophen: Musen und Enthusiasmus bei Platon
Prof. Dr. Dominic O’Meara (Freiburg, Schweiz)
Musik, Astronomie und politische Erziehung in Platons Spätwerk
Gheorghe Pascalau (Tübingen)
Eros und Musik in »Politeia III«
Oliver Schelske (Tübingen)
Politeia 400d1-403c8 (Lektüre)
Manuel Schölles (München)
Tanz, Gesang und Festlichkeit in Platons »Nomoi«
Petar Segedin (Zagreb)
Mousiké als Mimesis der Wahrheit
Prof. Dr. Karl Heinz Stanzel (Tübingen)
Dichtung und Mousiké: Platon, die Dichter und die Dichtung
Prof. Dr. Gyburg Uhlmann (Berlin)
Die Musik als Teil des Aufstiegs zu begrifflicher Erkenntnis in Platons »Politeia«
Wie bei jeder Tagung bleibt naturgemäß auch bei dieser Referentenliste der ein oder andere Wunsch offen: So fällt auf, daß die Pythagoreer, die für Platons Musikverständnis eine so große Bedeutung haben, in keinem der Vorträge im Zentrum zu stehen scheinen; Astronomie und Mathematik werden zwar erwähnt, aber eine Auseinandersetzung mit den alten Pythagoreern ist so aufwendig, daß dies deutlicher markiert wäre. Auf der Liste vermisse ich leider auch den Philosophen Rolf Geiger, der – neben Dietmar Koch sowie ehemals Thomas A. Szlezák und Anton F. Koch – immer wieder und mit größtem Engagement dem griechischen Denker einen gebührenden Platz in der Tübinger Lehre verschafft hat. Und hätte man den brillanten Münchner Altphilologen Oliver Primavesi gewonnen, der bekanntlich ein abgeschlossenes Musikstudium vorweisen kann, hätte dieser aus intimer praktischer und theoretischer Vertrautheit mit der Musik einen in jeder Hinsicht beeindruckenden Vortrag gehalten. (Wer Primavesis alljährliche ›Festvorträge‹ in München kennt, weiß, wovon ich spreche.) Aber auch so freue mich auf die Zeit in Tübingen; den Organisatoren, Dietmar Koch, Niels Weidtmann und Irmgard Männlein-Robert, gebührt größter Dank, daß es die Platontage, die eine bedeutende Tübinger Tradition weiterleben lassen, überhaupt gibt.
Weiterführende Links:
Tübinger Platon-Tage 2010
Ausführliches Tagungsprogramm (PDF)
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