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Quelle: http://phainomena.de/2010/05/04/things-to-watch-and-read

Things to watch and read

Das Londoner File Magazine verbindet auf faszinierende Weise Bildende Kunst, Graphikdesign und Bewegtbild

Von Sarah Fekadu am 4. Mai 2010 ·  Marginalie

Angeregt durch Manuels Artikel über die Vielzahl spannender Neuerscheinungen auf dem Zeitschriftenmarkt hielt ich in letzter Zeit verstärkt Ausschau nach Magazinen, die mir noch nicht bekannt sind. Nicht am Bahnhofkiosk, sondern – wie heutzutage so häufig – bei einem meiner Streifzüge durch das Internet fiel meine Aufmerksamkeit auf das Londoner File Magazine, das ich noch am selben Tag bestellte und sofort nach Auffinden in meinem Briefkasten mit Begeisterung las.

Anders als bei vielen anderen Magazinen mit den Schwerpunkten Visual Art und Design liegt der Fokus des File Magazines nicht so sehr auf Layout und Haptik – gedruckt ist es auf schlichtem, großformatigem Zeitungspapier –, sondern vielmehr auf der intermedialen Verbindung von Bildender Kunst, Graphikdesign und Bewegtbild. Das File Magazine versteht sich, so schreiben die beiden Herausgeber und Redakteure Fabio Sebastianelli und Thorbjørn Ankersternje auf ihrer Website, als “magazine to watch & read”. Dieser Ansatz ist vielleicht nicht neu, aber er funktioniert im Falle des File Magazines deshalb so gut, weil sich die beiden Herausgeber konsequent an ihn halten. Gleich auf der ersten Seite findet man eine DVD mit Dateien – files – unterschiedlicher Art: Kurzfilme, Dokumentarfilme, Musikvideos. Diese DVD ist jedoch nicht einfach als Beigabe zum Magazin gedacht. Vielmehr bildet sie die Basis der im Heft zu lesenden Artikel. So erzählt der Kurzfilm Inside des Schweizer Regisseurs Alexandre O. Philippe die verstörende Geschichte eines Mädchens, das mitten in der Wüste Nevadas in einem Jeep auf seinen Vater wartet, während sich dieser in einem heruntergekommenen Bordell vergnügt. Im Heft schreibt Philippe über seine Idee und den Entstehungsprozess des Films. Flankiert wird die Video- und Filmkunst auf der DVD von Bildender Kunst, die im Heft selbst zu bestaunen ist. So enthält die aktuelle Ausgabe des File Magazines etwa eine Werkschau des jungen spanischen Künstlers und Wahlberliners Antonio Santin, für dessen expressive Portraits das DIN A3-Format des File Magazine ein geeignetes Passepartout liefert.

Keine Zeitschrift kann jedoch allein aufgrund ihrer Konzeption überzeugen, sondern muss diese auch mit Inhalten füllen. Das File Magazine tut dies, indem es Neues, Überraschendes und Unbekanntes aus dem breiten Spektrum der visuellen Kunst nicht einfach unvermittelt nebeneinander stellt, sondern durch Portraits, Artikel und Selbstauskünfte der gezeigten Künstler mit Kontext füllt. “The lack of discipline in our present day urban industrial environment has produced a visual condition characterized by clutter, confusion and chaos”, zitiert der Gastautor Steven Heller den Kurator Allon Schoener in seinem Leitartikel über den tschechischen Konstruktivisten Ladislav Sutnar. Das File Magazine trägt zu der hier angesprochenen chaotischen Visualität, die das 21. Jahrhundert so untrüglich kennzeichnet, einerseits noch bei, indem es noch mehr Videokunst, Design und Graphik auf den Markt wirft. Es er-klärt aber auch und bringt die Bilderflut dadurch nicht nur ins Rollen, sondern immer wieder auch zum produktiven Einhalt. Bleibt zu hoffen, dass die Herausgeber des noch jungen, zweimal jährlich erscheinenden Magazins die kreativen und materiellen Ressourcen für viele weitere Ausgaben finden.

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