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Quelle: http://phainomena.de/2011/01/28/federleichter-mangel

Federleichter Mangel

Rezension zu Darren Aronofskys „Black Swan“

Von Michael Preis am 28. Januar 2011 ·  Rezension

Natalie Portman verkörpert in Black Swan, dem neuesten Film von Darren Aronofsky, einen Mangel. Es ist der Mangel an Perfektion. Dargestellt wird er an einer obsessiven Selbstreflexion, vorgeführt im Medium des Balletttanzes. Der Film problematisiert eine Vollkommenheitsästhetik, deren Zweck im perfekten künstlerischen Ausdruck besteht, wobei letzterer, nach Aussage des gerissen-lässigen Choreographen Thomas Leroy (große Klasse: Vincent Cassel) nicht allein in der ideal kontrollierten Technik, sondern genauso sehr im leidenschaftlichen Affekt der Tänzerin liege. Was sich thematisch mittels einer nicht besonders aufregenden Handlungsstruktur präsentiert, gewinnt seine Intensität für das Kinopublikum durch eine Leiblichkeitsreflexion, deren Facetten sich am markantesten in einem zerbrochenen Spiegel zeigen, dessen Scherben auf das Konto der von Natalie Portman gegebenen Protagonistin Nina Sayers gehen.

Achtung Spoiler!

Sie hatte, vermeintlich (?), ihre Konkurrentin Lily (Wow!: Mila Kunis) gegen diesen Spiegel gestoßen, sie dann mit einer der Scherben erstochen und in ein Nebenzimmer ihrer Garderobe geschleift. Als Nina nach dem Tanz ihres Lebens in einer Pause auf ein Klopfen hin gerade derjenigen Person die Türe öffnet, die sie schon vor ihrem bravourösen Auftritt ermordet zu haben glaubt, sind es für den Zuschauer nur noch ein paar Momente, bis er mit Nina erkennen muss, dass sie nicht ihrer Konkurrentin, sondern sich selbst einen langen Splitter in den Bauch gestochen hat. Einige Zeit vorher hatte eine Physiotherapeutin Nina eine Verspannung ihres Zwerchfells diagnostiziert, ihr die Hand unter den Brustkorb gedrückt und gebeten, dort hineinzuatmen. Dass Nina am Ende der Schwanensee-Premiere, dem Tode nahe, sagt, sie habe ihr Tanzen gefühlt, macht aus der Selbstverletzung eine Wunde der Inspiration, die auf den Schmerz der Reflexion erwidert. Nicht zuletzt darin liegt der große Reiz von Aronofskys Black Swan als einer von Natalie Portman hinreißend getanzten Figuration eines federleichten Mangels.

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