Just beautiful – Die Avantgarde der Papier-Magazine zelebriert die sinnlichen Qualitäten des Lesens
Von Manuel Schölles am 29. März 2010 · Marginalie

Denselben Titel trägt ein kürzlich erschienener Artikel im amerikanischen Zeitgeist-Blog A Continuous Lean, in dem Michael Williams die neue Ausgabe des wunderbar-delikaten Pulp-Magazins Jacques vorstellt. Jacques ist nicht einfach nur die Arty-Variante unter den Erotik-Magazinen, sondern so etwas wie eine Oase und frische Quelle in der allgemeinen Ödnis des Mainstream-Pornos. Man könnte auch einfach sagen: Jacques hat Seele, es ist nicht obszön, it’s just beautiful.
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Kokain und Computerspiele: Tom Bissell berichtet von seiner Erfahrung mit „Grand Theft Auto“
Von Manuel Schölles am 27. März 2010 · Marginalie

Werbebanner für „Grand Theft Auto“ in L.A.
Foto: Ageless North Shore (cc-by)
Die Welt der Computer- und Videospiele scheint dem deutenden Kulturbetrieb – dem Feuilleton, der Literaturwissenschaft und der Philosophie – fast völlig entzogen. Wer mit lieblich gestalteten Klassikern wie The Secret of Monkey Island, Pirates oder der Ultima-Serie aufgewachsen ist, dann mit dem Spielen aufgehört hat und jetzt zu den jungen Autoren gehört, ist vom Erfahrungsraum, den heutige Computerspiele eröffnen, schon unendlich weit entfernt. Harmlos und primitiv nehmen sich nämlich jene alten Spiele gegen die erstaunlichen Schöpfungen der zeitgenössischen Spieleindustrie aus.
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Vintage Photo Contest bei „The Sartorialist“
Von Sarah Fekadu am 27. März 2010 · Notiz

Scott Schumanns Blog The Sartorialist löste bei der Gründung im Jahr 2005 eine kleine Revolution in der Modebranche aus: Mit seinen Fotos von gut gekleideten Menschen, die Schumann in den Straßen großer Metropolen wie New York, Paris und Kopenhagen über den Weg liefen, hauchte der Amerikaner dem Begriff „Streetstyle“ Leben ein und fand damit Hunderte von Nachahmern in aller Welt. Längst ist Schumanns Blog täglicher Lesestoff von Modeinteressierten und Designern rund um den Globus und führt die Liste der 99 einflussreichsten Modeblogs an. Guten Modestil gab es jedoch schon, bevor die Kameras der mittlerweile unzähligen Streetstyleblogger täglich nach neuen Inspirationen fürs Auge suchten. Dem zollt der „Sartorialist“ jetzt mit einem Fotowettbewerb Tribut: Gesucht werden die schönsten Vintagephotographien der zwanziger bis achtziger Jahre, die Menschen mit besonderem Stilgefühl portraitieren. Bilder aus dem Familienalbum sind ebenso willkommen wie Bilder, die man auf einem Flohmarkt oder anderswo gefunden hat. Noch bis 30. März besteht die Möglichkeit, Photos an den Sartorialist, E-Mail: sartorialistcontest@gmail.com zu senden. Die besten Photos, aus denen dann schließlich ein Gewinnerphoto gekürt wird, veröffentlicht Schumann auf seiner Webseite. Dort gibt es bereits einige ganz wundervolle Exemplare zu bestaunen.
Eine Tagung zur Geschichte des epikureischen Hedonismus in Würzburg
Von Manuel Schölles am 25. März 2010 · Notiz

Daß an der Universität Würzburg zur selben Zeit wie die Tübinger Platontage eine Konferenz zu dem Thema Lust – Freude – Begierde. Der Hedonismus von den Anfängen bis zur Neuzeit stattfindet, nämlich vom 15. bis 17. April, ist ein willkommener Zufall. Denn wem die platonische Muse zu hart ist, der kann einfach nach Würzburg fahren, um Michael Erler, Wolfgang Rother, Anthony Long und vielen anderen bei der geistesgeschichtlichen Ausbreitung des epikureischen Lustprinzips von den griechischen Dichtern bis Hegel zu lauschen. Die ausführliche Darstellung der Tagung klingt überaus vielversprechend und mündet in folgendem Resümee:
Es lohnt sich also, nicht nur die Geschichte der Kritik, sondern auch die der positiven Rezeption des epikureischen Hedonismus zu verfolgen. Deshalb möchte die Tagung unter synchronen und diachronen Gewichtspunkten der Frage nach Entstehung und Rezeptionsformen des epikureischen Lustprinzips nachgehen.
Das Tagungsexposé läßt übrigens die obligate Zeitgeistkritik „postmoderner Alltagskultur“ mit ihrem „weit verbreiteten Lifestyle-Hedonismus“ nicht vermissen. Der harten Muse ist also doch nicht zu entkommen.
Zwei Kreativwettbewerbe aus München
Von Manuel Schölles am 24. März 2010 · Notiz

Der Münchner Kunstverein Raumwandler sucht die besten „60 Sekunden aus deiner Perspektive“, die dann auf dem Internationalen 25. DOK.fest im Mai gezeigt werden sollen. Man benötigt kein besonderes technisches Equipment, sogar Handy-Videos werden angenommen – man braucht nur eine Perspektive. Einsendeschluß für den Wettbewerb Ich sehe was, was du nicht siehst! ist der 19. April (via muenchenblogger).
Wer eine Perspektive gefunden hat, auf die das Motto „The Good, the Bad and the Ugly“ paßt, kann auch beim Kreativwettbwerb des Münchner Uniradios M94.5 mitmachen: Alles scheint möglich auf dem Kunstrasen. Einsendeschluß ist hier bereits der 6. April (via Gefühlskonserve).
Lebenszeichen im philosophischen Internet: das „Theorieblog“
Von Manuel Schölles am 23. März 2010 · Marginalie

Daß die Welt keine Philosophie-Blogs braucht, glaube ich immer noch. Denn wenn man in Anschlag bringt, daß schon diesseits des Internets die hypertrophe Erzeugung geisteswissenschaftlicher Texte die Kapazitäten eines durchschnittlichen Lesers zu überfordern scheint, muß man zu der Überzeugung gelangen, daß für das Lesen von Weblogs kaum noch Muße bleibt und mithin gar keine Nachfrage nach philosophischer Lektüre im Internet besteht. So hat Thomas Steinfeld unlängst in der Süddeutschen Zeitung eine Studie zitiert, nach der eine geisteswissenschaftliche Publikation in einer gewöhnlichen Zeitschrift im Schnitt weniger als zwei Leser finde.
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Ludwigstraße, Ecke Schönfelder
Von Ulrike Janovsky am 18. März 2010 · Notiz

Heute habe ich mein Mittagessen in der Mensa des Landwirtschaftsministeriums eingenommen. Zwei Freunde, Christian und Michael, hatten mich dazu eingeladen. Dort saßen wir nun, hatten gerade unser Mahl verzehrt und irgendwie kam das Gespräch auf Marina Abramović’ aktuelle Ausstellung im Moma. Wir gingen ihre verschiedenen Aktionen durch. Hier ein eingeritzter Stern auf dem Bauch, da eingeschlagene Köpfe an Betonpfeilern und dort eine theatralische Trennung auf der chinesischen Mauer. »Meint sie ihre Entschleunigungskunst wirklich ernst oder ist es einfach mangelnde Inspiration?« Bald verließ unsere Unterhaltung auch dieses Thema und wir liefen, die Sonne im Rücken, zurück in Richtung Stabi. Dort allerdings begegnete uns jemand. Ein Mann, dem ein leidlich gelungenes Gemälde des Monopteros um den Hals baumelte, und der rief: »Hi Fans!« Im Vorübergehen zwinkerte er mir noch zu. Zwei Minuten später komme ich aus lauter Irrwitz auf den Gedanken, diese eigenartige Begegnung festzuhalten, so wie das Moma ja nun auch Happenings konservieren möchte. Und wie konnte es anders sein, er war einfach nicht mehr auffindbar. Umso eindringlicher klingt mir Michaels Kommentar noch heute in den Ohren: »Nicht er hängt an der Kunst, nein, die Kunst hängt an ihm.«