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Ich begehre dich

Einige Sätze zu Uwe Timms Roman »Halbschatten«, der gerade bei dtv erschienen ist.

Von Ulrike Janovsky am 14. März 2010 · Notiz

halbschatten

»Und sie denkt, ich hätte das sagen können: Ich begehre dich.« – Marga liegt neben Dahlem, nur eine Stoffwand trennen sie voneinander. Gerade erst ist die Fliegerin in Japan gelandet, da bietet der Diplomat ihr an, die Nacht bei ihm zu verbringen. Und dieses Gefühl, das dieser eine Satz verleiht, ist eines, das mich während der gesamten Lektüre begleitet hat. Sie hätte es eben nicht sagen können und doch wollte ich es die ganze Zeit hören. Der Roman kommt immer wieder auf die beiden zurück, umspielt diese unmögliche Liebe, so wie Éric Rohmer nur auf einem Knie verweilen kann und darauf alle Begierde konzentriert. Marga von Etzdorf stürzt 1933 ab und nimmt sich kurz darauf das Leben. Dies ist die tragende Geschichte in Uwe Timms Halbschatten, neben anderen, die aus den Gräbern des Invalidenfriedhofs in Berlin von Opfern wie Tätern aus jener Zeit zu vernehmen sind. – Uwe Timm, Halbschatten, München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2010.

Hochsaison

Sterben, wo andere Urlaub machen – Der neue Roman von Jörg Maurer »Hochsaison«

Von Ulrike Janovsky am 12. März 2010 · Notiz

hochsaison

Denke ich zurück an die amüsanten Stunden, die ich in Föhnlage verbracht habe, dürfte der neue Roman von Jörg Maurer Hochsaison sehr vielversprechend sein. Erst war es der Föhn, der die Menschen in Garmisch um den Verstand gebracht hat und heuer ist es Garmisch als Touristenziel für Wintersportbegeisterte. Ob diese Begeisterung auch die alteingesessenen Alpenbewohner teilen, wage ich zu bezweifeln. Denn »der Alpenbewohner«, so Jörg Maurer, »ist ein höchst zerrissener Mensch. Er sitzt entweder unten im Tal und schaut sehnsuchtsvoll auf die Gipfel oder er sitzt oben auf dem Gipfel und schaut sehnsuchtsvoll hinunter ins Tal.« Dass dann Leute »sterben[,] wo andere Urlaub machen«, scheint unausweichlich. Ich freue mich jedenfalls ungemein auf den morgigen Abend (Samstag, 13. März, 20 Uhr) im Münchner Volkstheater. Dort wird nämlich der Auftakt, die Buchpremiere, von Jörg Maurers Hochsaison mit einer Lesung des Autors stattfinden.

Platon und die Mousiké

Die zweiten Tübinger Platontage

Von Manuel Schölles am 11. März 2010 · Marginalie

platon

Vom 15. bis 17. April finden die zweiten Tübinger Platontage im Forum Scientiarum in der Doblerstraße (natürlich in Tübingen) statt. Die ersten Platontage vor zwei Jahren sind, ungewöhnlich für eine wissenschaftliche Konferenz, ein großer Publikumserfolg gewesen: Die zur Verfügung stehenden Publikumsplätze, die in großer Zahl von hellwachen und diskussionsfreudigen Studenten besetzt wurden, reichten bei manchen Vorträgen kaum aus, während der Tagungsalltag in Deutschland meist doch ein wenig grauer aussieht. Der Tagungsband zum Thema Platon und das Göttliche erscheint jedenfalls in Kürze bei Attempto Tübingen.

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Homo rapiens

John Grays »Straw Dogs« – Von Menschen und anderen Tieren

Von Manuel Schölles am 7. März 2010 · Notiz

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Es gibt schlechte lesenswerte Bücher. John Grays nihilistische Gedankensammlung Straw Dogs ist voller Widersprüche und Banalitäten, sein reduktionistischer Naturalismus gehorcht, gerade in der völligen Absage aller humanistischen Errungenschaften, noch den Spielregeln eines rational-aufgeklärten Geistes. Grays Zeitdiagnosen aber, die sich immer wieder in bestrickenden Sentenzen verdichten, bergen einen ernsthaften und zutiefst beunruhigenden Gedanken: Was, wenn wirklich kein Gott zur Rettung kommen wird, wenn uns weder Geschichte noch Wissenschaft von den selbst geschaffenen globalen Problemen erlösen werden? Dann seien die Gräuel des zwanzigsten Jahrhunderts, so Gray, nur ein Vorgeschmack auf die künftigen Katastrophen der Menschheit. – John Gray, Straw Dogs. Thoughts on Humans and Other Animals, London 2002.

Die Inversion

Über die Umkehrung als Mittel der Bedeutungsverschiebung und stimmungsmäßigen Verstärkung

Von Manuel Schölles am 5. März 2010 · Deutsche Stilkunst

Unter einer Inversion verstehen wir landläufig die Umkehrung des Satzschemas Subjekt-Prädikat-Objekt. Weil dieses Schema von der deutschen Grammatik nicht so festgeschrieben ist wie etwa im Englischen, haben wir es jedoch, genauer besehen, nicht mit einer Umkehrung, sondern vielmehr mit einer Verteilung zu tun, nämlich einer ziemlich freien Verteilung der Satzteile auf den Satz, sodaß also in den meisten Fällen gar kein Verstoß gegen die Grammatik besteht.

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2010

Einige Neuigkeiten in eigener Sache

Von Manuel Schölles am 5. März 2010 · Marginalie

Phainómena entledigt sich Schritt für Schritt seines experimentellen Charakters und wurde zur neuen Dekade (d. h. zum immerhin fünften Geburtstag des Projekts) in mehreren Punkten weiterentwickelt. Zunächst sei das um eine graphische Ebene erweiterte Design erwähnt, das Nutzer des Internet Explorers 6 nun leider endgültig ausschließt. Das sind, wie der Nutzerstatistik zu entnehmen ist, immerhin 7 Prozent der bisherigen Besucher, die allerdings meistenteils von veralteten institutionellen Rechnern aus den Blog aufrufen.

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War es ein krg?

Winnetou hielt seine Nase dicht an die Zedernzweige und roch … absolut nichts … sie ritten weiter

Von Ulrike Janovsky am 6. November 2009 · Rezension

Die Tage von Derrick und Columbo sind gezählt. Kein Inspektor, der die Lösung des Falls bereits zu Beginn der Ermittlung im linken Bein pochen hört oder durch Einfühlung in die Beteiligten den Mörder zu ermitteln vermag. Die heutigen Kriminalfälle stehen unter dem Regiment der DNA-Analyse. Und so liegt auf den Freßgewohnheiten von Maden das Hauptaugenmerk der Ermittlungsarbeit, anstatt der Befragung von Augenzeugen. Bezeichnend dafür ist die Umsetzung der Zeugenbefragung in Jörg Maurers Roman Föhnlage. »War es eher ein krg - [...] oder ein phfump?« (S. 46) Das Ergebnis der Befragung: »Knallzeuge«, Frau Dr. Schmalfuß. Und wie ein Knall löst sich auch der Sinn Ermittlungmethode in Luft auf. Doch welche Methoden führen Kommissar Jennerwein zur Lösung des Falls? Horatio ist in Miami und leider auch das wissenschaftlich versierte Ermittlerteam an seiner Seite.

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