War es ein krg?

Winnetou hielt seine Nase dicht an die Zedernzweige und roch … absolut nichts … sie ritten weiter

Von Ulrike Janovsky · 6. November 2009

Die Tage von Derrick und Columbo sind gezählt. Kein Inspektor, der die Lösung des Falls bereits zu Beginn der Ermittlung im linken Bein pochen hört oder durch Einfühlung in die Beteiligten den Mörder zu ermitteln vermag. Die heutigen Kriminalfälle stehen unter dem Regiment der DNA-Analyse. Und so liegt auf den Freßgewohnheiten von Maden das Hauptaugenmerk der Ermittlungsarbeit, anstatt der Befragung von Augenzeugen. Bezeichnend dafür ist die Umsetzung der Zeugenbefragung in Jörg Maurers Roman Föhnlage. »War es eher ein krg - [...] oder ein phfump?« (S. 46) Das Ergebnis der Befragung: »Knallzeuge«, Frau Dr. Schmalfuß. Und wie ein Knall löst sich auch der Sinn Ermittlungmethode in Luft auf. Doch welche Methoden führen Kommissar Jennerwein zur Lösung des Falls? Horatio ist in Miami und leider auch das wissenschaftlich versierte Ermittlerteam an seiner Seite. Weiterlesen …

Rahmen und Rhythmus

Der dritte Teil der Deutschen Stilkunst erörtert die Probleme des Rahmenbaus

Von Manuel Schölles · 26. Oktober 2009

Bevor wir uns weiter in die allgemeine Theorie des Stils vertiefen, dürfte es nun dazu angetan sein, einen konkreten Anwendungsfall zu betrachten: das Problem des Rahmenbaus. Dem Deutschen eignet nämlich die Besonderheit, daß nicht wenige Sätze wie Rahmen oder Klammern strukturiert sind. Weiterlesen …

Sterne der Literatur am gemeinsamen Himmel

Der dritte und letzte Teil des Essays »Der deutsche Wolf und der Pole im Schafspelz« über das deutsch-polnische Verhältnis

Von Olivia Kobiela · 18. Oktober 2009

Die Möglichkeit, eine europäische Identität aufzubauen, indem man sich unabhängig seiner Nationalität zusammenzuschließt, um gegen menschenverachtende Ideologien und Werte vorzugehen, ist nicht neu. »Die Europäische Union [ist] ja selbst gewissermaßen die Gestalt gewordene Lehre aus den Kriegen und Diktaturen des 20. Jahrhunderts«. Weiterlesen …

Erstarrte Zeit und ein gelangweilter Gott

Die lang erwartete Fortsetzung unserer Bergmanie: »Frauenträume«

Von Silvia Tiedtke · 13. Oktober 2009

Nach dem lauen Sommerduft, den sanften nächtlichen Geräuschen und den bewegten ersten Takten eines Fantasie-Impromptus von Chopin, die Das Lächeln einer Sommernacht durchdringen, beginnt Ingmar Bergmans Film Frauenträume (Kvinnodröm, ebenfalls aus dem Jahr 1955) in der ernüchternd sterilen Atmosphäre eines Stockholmer Modefotostudios. In dieser Welt der reinen Oberfläche posieren weibliche Fotomodelle in einstudierter, gekünstelter Haltung vor bedeutungslosen Requisiten. Der gelangweilte Gott dieser Welt ist ein fettleibiger Auftraggeber, der in dumpfer Gleichförmigkeit mit seinen Fingern einen ewig variationslosen Rhythmus klopft. Weiterlesen …

Von Tätern und Opfern

Der zweite Teil des Essays »Der deutsche Wolf und der Pole im Schafspelz« zum deutsch-polnischen Zeitgeist

Von Olivia Kobiela · 11. Oktober 2009

Zusammenfassend mündete der deutsche Nationalismus in die Shoa; die nationalsozialistisch gesinnte Bevölkerung Deutschlands wird dadurch zu Recht als »Täter« bezeichnet und wahrgenommen. Wolfgang Koeppens Erzählung Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch, das auf dem authentischen Erfahrungsbericht Mein Weg durch die Nacht. Ein Dokument des Rassenhasses des in München geborenen und 1938 nach Polen, später nach Ostgalizien vertriebenen »polnischen« Juden Jakob Littner basiert, bietet einen eindrücklichen, wenn auch ästhetisierten Einblick in die von den Nationalsozialisten betriebene Hetzjagd, ohne dabei an die, allerdings sehr wenigen, Deutschen zu erinnern, die sich diesem Wahn entzogen und geholfen haben. Weiterlesen …

Der deutsche Wolf und der Pole im Schafspelz

Zum Tag der Deutschen Einheit ein dreiteiliger Essay von Olivia Kobiela: Eine kritische Betrachtung des deutsch-polnischen Zeitgeistes

Von Olivia Kobiela · 3. Oktober 2009

Die Frage, ob eine europäische Geschichte und damit verbunden eine gemeinsame europäische Erinnerung derselben überhaupt möglich ist, beschäftigt polnische, wie auch deutsche Gemüter gleichermaßen. Dabei rücken nicht mehr ausschließlich Fragen nach den politisch-historischen Geschehnissen ins Zentrum der Überlegungen, sondern vielmehr Fragen nach der Perspektive, mit der jene Vergangenheit betrachtet wird. Einschneidend für die Welt- und damit auch europäische Geschichte sind die nationalsozialistische Diktatur und die »ethnischen Säuberungen«, deren radikalster Gipfel auf »deutscher Seite« die Shoah ist und auf die der Blick bei der Fahrt in die Zukunft gerichtet bleibt. Weiterlesen …

Dieses verhaßte Objekt der Begierde

Lars von Trier sucht in seinem neuen Film »Antichrist« das Böse am falschen Ort

Von Manuel Schölles · 20. September 2009

Lars von Triers Antichrist handelt vom Bösen. Es erscheint im Wald, in der Sexualität, in der Frau und begegnet allererst im Widerspiel der alles zergliedernden Rationalität des Mannes, im Lichte der Vernunft sozusagen, dem natürlichen Antagonisten des Fleisches und der Dunkelheit. Damit ist alles gesagt und jede hermeneutische Tiefenbohrung, dies vorab, dürfte sich bei diesem Film alsbald selbst im Wald verirren und sprechenden Füchsen hinterher jagen: »Chaos regiert.« Weiterlesen …